Die Schellackpolitur

Es gibt verschiedene Methoden der Schellackpolitur. Im folgenden wird der Aufbau einer Politur erklärt, die nach meinen Erfahrungen sehr gut funktioniert.

Warum Schellack?

Eine Schellackpolitur bleibt elastisch und beeinträchtigt - im Gegensatz zum synthetischen Lack - nicht so stark das Schwingungsverhalten des Holzes. Der Klang der Gitarre ist laut und offen.

Ein Beispiel soll die Auswirkung darstellen: Bei einer Gitarre, mit einer Politur versehen, wurde ein Folie - Schlagschutz/Golpeador - auf die Decke aufgelegt, diese war nicht aufgleimt sondern konnte lecht entfernt werden; alleine diese dünne Folie hatte negative Einflüsse auf das Schwingungsverhalten, welche deutlich zu hören waren!

Jeder mag sich vorstellen, welche Auswirkungen eine dicke, synthetische Lackschicht ausübt!

Ein weiterer Vorteil einer gut ausgeführten Schellackpolitur sind die optischen Vorzüge: Holzstruktur und Farben kommen besonders eindrucksvoll zur Geltung.

Bei Reparaturen kann die Politur - so weit notwendig - leicht entfernt und erneuert werden;
"Macken" und "Kratzern" kann man gut nachpolieren.

Eine gut ausgeführte Schellackpolitur, die mit einer Abziehpolitur endbehandelt wurde, ist zudem relativ kratzfest.

Nachteil: Ein Glas Wein sollte man beim Üben auf der Gitarre nicht verschütten. Alkohol und Wasser verträgt eine Schellackpolitur nicht.

Wenn man die Arbeitsweise des Polierens beherrscht, ist die Polierdauer überschaubar. Mit entscheidend sind vor allem die Trocknungszeiten zwischen den Schritten.

Was ist Schellack?
Schellack basiert auf einem natürlichen Harz, erzeugt von der Schellacklaus. In Form von Platten, genannt Blätterschellack, kann man ihn im Handel erwerben.
Zur Verwendung wird der Blätterschellack in reinem Alkohol aufgelöst und mittels Öl und feinem Bimsmehl mit einem Polierballen in mehreren Schichten aufgetragen. Die Verbindung des Öls und des Schellacks ermöglicht den Aufbau der Schichten. Der Alkohol "verfliegt" beim Auftrag.

Die Kunst des Polierens besteht in dem Mischungsverhältniss von Öl, Bimsmehl und Schellack sowie der Arbeitsweise mit dem Polierballen.

Die Vorbehandlung
Je sauberer die Oberfläche eines Instruments vorbereitet ist, umso schöner wird die Politur. Nach dem Abziehen mit Ziehklinge und Schleifpapier (Körnung 220) wird das Instrument mit einem feuchten Lappen (Wasser) leicht eingestrichen. Dadurch stellen sich die Holzfasern hoch, die - nach dem Trocknen - abgeschliffen werden. Die Oberfläche ist jetzt "glatter".
"Quer ins Licht gehalten" kann man gut erkennen, ob noch Schleifspuren vorhanden sind. Diese dann mit Schleifpapier entfernen.

Ich empfehle den Saitenhalter erst nach dem Polieren aufzuleimen. (Leimfläche abkleben)

Das Anfeuern
Das reine Leinöl oder Paraffinöl wird mit einem Tuch - am besten oft gewaschen und aus Baumwolle - auf die Gitarre aufgetragen. Dabei das Öl tropfenweise auf den Lappen geben und nicht direkt auf die Gitarre (Flecken). Das Tuch in länglichen Bahnen über das Holz ziehen. Wenig Öl nehmen!

Die Holzstruktur wird dadurch hervorgehoben, die Farben kommen schön zur Geltung.
Eventuelle jetzt erst sichtbare Schleifspuren vorsichtig schleifen und erneut ölen.

Der Polierballen
Zum Polieren benötigt man einen Polierballen. Ich selbst empfehle eher kleine Ballen, da damit besser in die Ecken poliert werden kann.
Die Polierballen bestehen außen aus Leinen und innen aus Wolle (z.B. alte Socken).
Die Ballen nach Gebrauch immer luftdicht in einem Gefäß verschließen.

Das Auftragen
Eine Politur kann nur dann funktionieren, wenn eine Oberfläche geschaffen wird, die eine Politur zulässt (Grundierung). Der Polierballen wird mit Schellack gefüllt; dieser wird ähnlich wie beim Auftragen des Öls mehrmals gleichmäßig in geraden Bahnen längs, quer und diagonal aufgetragen.

Entscheidend sind die Trockenzeiten zwischen diesen Arbeitsvorgängen. Nach meiner Erfahrung sind zwei bis drei Aufträge im Abstand von 24 Stunden optimal.
Vor dem nächsten Arbeitsschritt mit 000 Stahlwolle oder Nassschleifpapier leicht (an)schleifen.

Die Poren füllen
Bei Zargen und Böden, die aus Holzarten wie Palisander, Padouk, Lauro Preto etc. sind, sollten die Poren mit Bimsmehl gefüllt werden. Halsholz aus Mahagoni oder Ahorn und Deckenholz aus Fichte bzw. Zeder bedarf keiner Porenfüllung. Das Bimsmehl wird zum Füllen der Poren in geringen Mengen auf der Oberfläche verteilt. Dann wird der Ballen kreisförmig und nicht in Bahnen über die Oberfläche geführt.
Somit wird ein Mix aus Politur und Bimsmehl in die Poren eingerieben. Damit der Ballen besser über die Oberfläche gleitet, sollten einige Tropfen Öl (Paraffine) hinzugegeben werden. Dieser Arbeitsvorgang kann ruhig ein wenig "Kraft" in Anspruch nehmen. Das Bimsmehl setzt sich in den Poren ab und glättet zugleich die Oberfläche.

Auch diesen Schritt am nächsten Tag wiederholen. Man sollte gröberes Leinen verwenden und immer wieder die behandelte Oberfläche kontrollieren. Nach einer 24 stündigen Trockenzeit mit OOO Stahlwolle oder Lackschleifpapier 220 Körnung schleifen.

Vorsicht: Wenn zuviel Bimsmehl benutzt wird, können "Bimsnester" entstehen. Diese dann ausschleifen.

Grundpolieren
Vorab für gute Beleuchtung sorgen, am besten zwei Schreibtischlampen so aufstellen, dass man die Schirme auf der Gitarre (Spiegel) sieht.

Der Polierballen wird mit Schellack gefüllt. Der Ballen darf nicht zu nass sein (an einem separaten Brett ausdrücken). Zugleich wird mit den Fingern einige Tropfen Paraffinöl auf den Ballen und später immer wieder ein wenig Bimsmehl hinzugegeben. Den Ballen kreisförmig über die Oberfläche führen. Mit dem Ballen nicht "stehen bleiben" da sonst die aufgebauten Schichten durch den Alkohol aufgelöst werden.

Bei einer korrekten Arbeitsweise entsteht folgender Effekt: Hinter dem Ballen ist eine "Wolke" zu sehen, die relativ schnell verfliegt. Wird die Wolkenbildung weniger, sollte neuer Schellack hinzugegeben werden. Zum besseren Gleiten des Ballens und zum Aufbau der Schichten immer wieder ein bis zwei Tropfen Öl (Fingerspitze) hinzugeben.

Langsam sollte sich Oberfläche aufbauen und anfangen zu glänzen. Den Ballen trocken polieren (keine Politur mehr hinzugeben) und 24 Stunden trocknen lassen.

Ein leichter Ölfilm ist zu sehen. (Dazu später, unter Auspolieren, Klären).

Auspolieren, Glätten
Auf den Ballen ein neues glattes Leinentuch (glatte Oberfläche) geben.
Den Schellack mit reinem Alkohol weiter verdünnen und so wenig Öl wie möglich hinzu geben. Beim Polieren sollte weiterhin eine lange "Wolke" zu sehen sein, die dann im Verlauf schwächer wird. Immer wieder den Schellack verdünnen. Zum Ende hin nur noch Alkohol und ein wenig Öl zugeben und möglichst trocken auspolieren.

Die Oberfläche wird hell und klar.

Die Dauer des Polierens beträgt zwischen zwei und vier Wochen.

Das Klären
Schräg in das Licht gehalten sieht man immer noch eine leichten Ölschlier, den kann man mit einer Abziehpolitur (z.B. Zweihorn) entfernen. Diese härtet die Politur zusätzlich.

Trocknen
Schellack trocknet langsam. Auch wenn der Lack sich trocken anfühlt, ist er noch sehr weich. Ich empfehle, erst nach ca. zwei Wochen den Saitenhalter aufzuleimen, die Mechaniken anzuschrauben und die Saiten aufzuziehen.
Den Saitenhalter vor dem Aufleimen zur Entfettung mit Aceton einreiben.