Über den Klang

Der Klangcharakter einer Konzertgitarre wird durch die Holzauswahl und ihrer Konstruktion festgelegt.

Dabei gibt es bei den jeweiligen Gitarrenbauern große Unterschiede.

Wer eine hochwertige Gitarre spielt - gebaut mit einem Deckenholz aus feinjähriger, gut abgelagerter Fichte - wird feststellen, dass eine Einspielzeit von bis zu zwei Jahren Dauer notwendig ist. Erst dann entfaltet das Instrument sein weit umfassendes Register an Klangfarben.

Alternativ dazu werden Gitarren mit Zedernholzdecken gebaut. Ihre Stärken liegen in einem vollen Ton und der guten Ansprache. Die Modulationsfähigkeit ist etwas geringer als bei einer aus Fichtenholz gearbeiteten Gitarre. Aufgrund ihrer dem Cembalo ähnlichen Klangfarbe sind Gitarren mit Zedernholzdecken für polyphone Musik - z.B. Barockmusik - besonders geeignet.

Die Auswahl an Boden und Zargenholz - jeweils aus der gleichen Holzsorte - ist reichhaltig. Für den Klang ist nach meiner Erfahrung eher die Konstruktion als die Holzwahl entscheidend.

Für die Flamenco Gitarre - bei welcher im Gegensatz zur Konzertgitarre eine besonders leichte Ansprache und eine "percussive" Spielweise gewünscht ist - wird für die Decke Fichtenholz und aus Gewichtsgründen für den Boden und die Zargen leichtes Holz, wie Zypresse, ausgesucht.

Die Auswahl der Decke, die Wölbung derselben und die Fächerbalken im Inneren sind entscheidend für den Klang der Gitarre. Bewährt hat sich die unsymetrische Bebalkung, die das Schwingungsverhalten der Höhen unterstützt (siehe Materialien, Pläne.)

Wurde in den 60 ziger, 70 ziger und 80 ziger Jahren neben den Klangeigenschaften aus Gründen der "Ästhetik" meist Tropenholz, wie z.B. die verschiedensten Palisanderarten verbaut, entdecken heute immer mehr Gitarrenbauer die Vorzüge heimischer Hölzer. Geflammter Ahorn, Apfel, Birne, Walnuß und Zwetschgenholz sind sehr gute Alternativen und sehen mit einer guten Schellackpolitur sehr dekorativ aus.

Letztlich ist die Beurteilung des Klanges einer Gitarre die subjektive Entscheidung eines jeden Spielers; nur durch Probieren kann man das "richtige" Instrument für sich finden.

Felix Reuter